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Tauende Arktis: Der künftige Konfliktraum mit Russland?

Ulf M Steindl: Tauende Arktis: Der künftige Konfliktraum mit Russland? AIES Studies 3/2025.

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04.12.2025


Die folgende AIES Studie wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Landesverteidigung (BMLV) verfasst und widmet sich der Arktis als geografischem Raum, welcher im 21. Jahrhundert zunehmend an wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Bedeutung gewinnt. Durch den Klimawandel wird diese bisherige geopolitische Randregion schneller zugänglich, was neue Seewege eröffnet und Ressourcen erschließbar macht. Während die rechtlichen Rahmenbedingungen in weiten Teilen klar geregelt sind, bestehen im Arktischen Ozean noch Besitzkonflikte. Zugleich wächst das internationale Interesse – nicht nur durch Anrainerstaaten, sondern auch durch globale Akteure wie China, Indien oder die EU. Vor diesem Hintergrund analysiert die vorliegende Studie das Konfliktpotenzial in der Arktis zwischen Russland und dem Westen anhand geografischer, politischer und wirtschaftlicher Faktoren sowie militärischer Kapazitäten.

Dabei werden drei beispielhafte Konfliktszenarien identifiziert: Erstens der Versuch Russlands Kontrolle über den zukünftigen arktischen Transitverkehr entlang der transpolaren Route auszuüben, zweitens hybride Angriffe auf kritische Infrastruktur, insbesondere Kommunikationsverbindungen, und drittens ein gezieltes „Fait Accompli“-Manöver auf Spitzbergen, um die kollektive Verteidigungsfähigkeit der NATO zu testen bzw. deren Glaubwürdigkeit zu zerstören.

Europa steht vor der strategischen Aufgabe, die Arktis nicht länger nur als Randgebiet zu betrachten, sondern diese als Region von hoher sicherheits- und verteidigungspolitischer Relevanz für die eigene Handlungsfähigkeit anzuerkennen. Eine aktive Rolle erfordert den Ausbau militärischer und ziviler Infrastruktur, vertiefter Partnerschaften mit arktischen Akteuren sowie die Aktualisierung der Arktisstrategie, um sicherheits- und verteidigungspolitische Dimensionen stärker zu integrieren. Nur durch koordiniertes, strategisches Handeln kann Europa langfristig eigene Interessen wahren und sich als glaubwürdiger Akteur im Hohen Norden positionieren.


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