The Strategic Role of External Actors in the Western Balkans

Wilfried Martens Centre for European Studies, Political Academy of the Austrian People's Party, Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik: The Strategic Role of External Actors in the Western Balkans, Study December 2020

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05.02.2021


Der Westbalkan, eine Region welche die Staaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Nord-Mazedonien, Serbien und den Kosovo umfasst, ist heutzutage von immenser geopolitischer Bedeutung und steht zunehmend unter dem Einfluss konkurrierender Großmachtinteressen. Während der Westen, das heißt die EU und die USA, bestrebt ist diese Länder schrittweiße in den europäischen Integrationsprozess einzubinden, etwa um die Stabilität der Region zu sichern, verfolgen Akteure wie Russland, China oder die Türkei ihre eigenen Ziele. Der Zweck dieser Studie ist demnach die sechs Staaten des Westbalkans hinsichtlich deren Beeinflussung durch und Anbindung an externe Akteure näher zu beleuchten. Was dabei zu Tage gefördert wurde ist ein äußerst differenziertes Bild der Region, wobei regionale Besonderheiten in Geschichte, Religion und anderen Faktoren für die gegenwärtige Ausrichtung der jeweiligen Westbalkanstaaten entscheidend sind. So sind etwa Albanien, Nord-Mazedonien und Montenegro bereits Mitglieder der NATO und auch ein Beitritt zur EU ist ein erklärtes Ziel. Doch auch Russland, hauptsächlich in Montenegro, und die Türkei, vor allem in Albanien und Nord- Mazedonien, sind gewillt ihre durchaus gewichtige Rolle in diesen Ländern auszubauen und stoßen dabei mit ihren Bemühungen, insbesondere auf Grund oftmals zäher EUBeitrittsverhandlungen, meist auf fruchtbaren Boden. Auf wirtschaftlicher Ebene wird auch China zunehmend zu einem ernst zu nehmenden Faktor. Auch in Bosnien und Herzegowina spielen Russland durch dessen Einfluss auf die serbische Ethnie und die Türkei auf die mehrheitlich muslimischen Bosniaken eine keineswegs unwichtige Rolle. In Serbien, obwohl eine EUMitgliedschaft offiziell angestrebt wird, ist Russland ein traditionell bedeutender Machtfaktor und Partner. Doch in den letzten Jahren und insbesondere im Zuge der Covid-19-Pandemie hat es China geschafft seinen Einfluss entscheidend auszuweiten und auch die USA konnten unter Trump signifikante politische Erfolge in Serbien verbuchen. Im Kosovo sind es mit Ausnahme der Türkei vor allem die EU und die USA, die auf wirtschafts- und sicherheitspolitischer Ebene den Ton angeben, auch wenn eine Eingliederung des Landes in westliche Strukturen auf Grund der komplexen politischen Lage noch in weiter Ferne steht. Wie sich zeigt, ist eine Auseinandersetzung verschiedener externer Akteure um Macht und Einfluss auf dem Westbalkan in vollem Gange. Dies birgt für eine Einbeziehung der Region in den europäischen Integrationsprozess sowie deren generelle Stabilität ein großes Risiko. Dementsprechend ist die EU, in Zusammenarbeit mit den USA, stärker als bisher gefordert die Demokratisierung des Westbalkans voranzutreiben und den Ländern eine ehrliche und realistische Perspektive im EUErweiterungsprozess zu bieten.