Griechenland im Zentrum der europäischen Krisenherde

Sofia Maria Satanakis: Griechenland im Zentrum der europäischen Krisenherde: Eine aktuelle Bestandsaufnahme, AIES Fokus 1/2018

AIES Fokus 01/2018

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26.02.2018 / Vorige / Nächste Publikation


Ein Mitgliedstaat, mit dem die Europäische Union (EU) voraussichtlich noch über eine längere Zeitspanne hinweg konfrontiert sein wird, welcher allerdings in den Jahren 2016 und 2017 stark in den Hintergrund gerückt wurde, ist Griechenland. Dort kumulieren nämlich die derzeit großen Krisen Europas. Seit dem Jahr 2015 sieht sich das Land mit außerordentlich hohen Flüchtlingszahlen konfrontiert.1 Täglich erreichen unzählige Flüchtlinge von der Türkei aus die griechischen Inseln und damit auch die EU2. Hinzu kommt das noch immer ungelöste Schuldenproblem des Landes. Durch den beschlossenen EU-Austritt Großbritanniens („Brexit") am 23. Juni 2016 als erster Mitgliedstaat in der inzwischen 60-jährigen Bestehensgeschichte der Union sowie die aufsehenerregenden nationalen Wahlergebnisse im Jahr darauf in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Österreich, hat es den Anschein, als ob sich nun ein kleines historisches Zeitfenster aufgetan hätte, welches die Europäer nutzen sollten, um eine dringend notwendige Neudefinition des europäischen Projektes vorzunehmen. Ein wichtiger Aspekt hierbei sollte auch das „Sorgenkind Griechenland" sein.

Im Hinblick auf die zu analysierende Thematik gilt es, zwei Fragen genauer in den Blick zu nehmen: Wie stellt sich nach knapp acht Jahren ununterbrochener „Depression" der griechischen Wirtschaft die aktuelle Lage in Griechenland dar, und was hat sich in den Beziehungen zur EU, der das Land seit 1981 angehört, und vor allem zu den zwei zentralen EU-Akteuren Deutschland und Frankreich, zwischenzeitlich geändert?