Nicolas Stockhammer
Die ProtectEU Agenda 2026
Europas Neujustierung seiner Terrorismusbekämpfung im Zeitalter der digitalen Radikalisierung
AIES Comment 2026/6

21.05.2026 / Europäische Union / Europäische Sicherheit und Verteidigung
Die vorliegende Analyse bewertet die von der Europäischen Kommission am 26. Februar 2026 präsentierte ProtectEU-Agenda als strategischen Wendepunkt der europäischen Terrorismusbekämpfung. Im Zentrum steht dabei der Übergang von einer überwiegend reaktiven Sicherheitslogik hin zu einem antizipativen, präventionsorientierten Ansatz, der auf Frühwarnung, Resilienzbildung und die frühzeitige Erkennung von Radikalisierungsdynamiken abzielt. Vor dem Hintergrund einer zunehmend digitalisierten, jugendzentrierten und technologisch beschleunigten Bedrohungslage adressiert die Agenda insbesondere den Tech-Terror-Nexus, die Online-Radikalisierung Minderjähriger sowie die wachsende Bedeutung transnationaler Konfliktkontexte für die innere Sicherheit Europas.
Gleichzeitig zeigt die Bewertung, dass die Wirksamkeit von ProtectEU maßgeblich von ihrer operativen Umsetzung, der institutionellen Koordination zwischen EU, Mitgliedstaaten und lokalen Akteuren sowie einer ausreichenden Ressourcenausstattung abhängt. Die Untersuchung kommt daher zu dem Schluss, dass ProtectEU zwar einen konzeptionellen Fortschritt darstellt, ihr sicherheitspolitischer Mehrwert jedoch erst dann voll zum Tragen kommt, wenn aus der strategischen Agenda eine belastbare, praxisnahe und lernfähige Präventionsarchitektur wird.
