Sascha Arnautović
Bosnien und Herzegowina
Europas verwundbarer Hinterhof angesichts des geräuschlosen Vordringens externer Akteure
AIES Comment 2026/4

28.04.2026 / EU-Nachbarschaft / Europäische Sicherheit und Verteidigung
Wenn überhaupt scheint Bosnien und Herzegowina (BiH) am ehesten noch hinsichtlich des Themas „EU-Erweiterung“ europapolitisch interessant zu sein. Sicherheitspolitische Aspekte, die nicht minder bedeutsam sind, werden hingegen oftmals sträflich vernachlässigt, wobei sie, das sollte an dieser Stelle betont werden, erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität des Westbalkans, aber auch auf die inzwischen vermehrt fragile Sicherheit Europas haben können.
Jenseits der medialen Aufmerksamkeit bahnt sich aktuell mit dem zunehmenden Einfluss externer Akteure wie Russland und China in der Republika Srpska (RS) eine sicherheitspolitisch problematische Entwicklung an. Diese ist ohnehin schon seit Jahren wegen des bosnisch-serbischen Separatistenführers Milorad Dodik ein ständiger Unruheherd, dessen Macht sich zwar nicht mehr länger in einem offiziellen politischen Amt äußert, der jedoch im Hintergrund immer noch die Fäden in der RS in der Hand hält. Dank seiner politischen Umtriebigkeit ermöglicht er es offenbar sowohl Moskau als auch Peking, ihren Einfluss im serbisch dominierten Landesteil von BiH kontinuierlich auszudehnen und damit ökonomisch, geopolitisch und sicherheitspolitisch in Europas Hinterhof – relativ unbemerkt – Fakten zu schaffen. Neben einträglichen Geschäften im Energiesektor sind sowohl strategische Rohstoffpartnerschaften als auch die Einfuhr von Überwachungstechnik von zunehmender Relevanz und lassen aufhorchen.
Derartige Entwicklungen sollten zukünftig stärker im Fokus von Brüssel und von anderen europäischen Hauptstädten stehen. Dieser Beitrag soll in dieser Hinsicht als ein Weckruf verstanden werden, in „EU-Europa“ nicht mehr länger naiv unterwegs zu sein und genauer hinzuschauen – gerade auch in Bezug auf geopolitisch und sicherheitspolitisch relevante Fragen, die für den europäischen Kontinent – nach Lage der Dinge – künftig von besonders großer Bedeutung sein dürften.
