Ein Vergleich der westlichen Balkanstaaten auf dem Weg zum EU-Beitritt
Ein Workshop zur Rolle Europas im Westbalkan
04.12.25 / Wien / EU-Nachbarschaft
Am 4. Dezember veranstaltete die AIES gemeinsam mit dem Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) einen Workshop zum Thema „Vergleich der westlichen Balkanstaaten hinsichtlich ihrer Fortschritte auf dem Weg zum EU-Beitritt“. Die Veranstaltung brachte führende regionale Experten zusammen, um zu beurteilen, wie Innenpolitik, Identitätsnarrative und geopolitischer Druck die nächste Phase der EU-Erweiterung prägen.
In den Eröffnungsbeiträgen wurde hervorgehoben, dass sich die Erweiterungsmüdigkeit in der EU und die Reformmüdigkeit in der Region derzeit gegenseitig verstärken. Der Weg Albaniens wurde als ein Fall vorgestellt, in dem ehrgeizige Reformen, wie die umfassende Justizreform, neben anhaltender politischer Polarisierung, demografischem Rückgang und wirtschaftlicher Anfälligkeit bestehen. Bosnien und Herzegowina hingegen bleibt durch institutionelle Spannungen, Versuche, die Kompetenzen auf staatlicher Ebene zu schwächen, und sinkendes Vertrauen in von außen auferlegte Governance-Mechanismen eingeschränkt. Nordmazedonien veranschaulichte, wie identitätsbezogene Konflikte und wiederholte Blockaden das Vertrauen in die EU untergraben und trotz breiter formaler Unterstützung für den Beitritt zu gesellschaftlicher Frustration geführt haben.
Die Redner stellten eine sich abzeichnende Veränderung in Brüssel fest, wo Albanien und Montenegro zunehmend als Vorreiter angesehen werden. Dieser Ansatz soll zwar zeigen, dass die Erweiterung nach wie vor realisierbar ist, birgt jedoch die Gefahr, dass sich die Unterschiede innerhalb der Region verstärken, wenn andere Kandidaten weiterhin stagnieren. Interne EU-Diskussionen über Entscheidungsfindung, die Notwendigkeit, veraltete Beitrittsinstrumente zu aktualisieren, und der zunehmende geopolitische Druck, insbesondere durch den Einfluss Russlands, erschweren das strategische Umfeld zusätzlich.
Während des gesamten Workshops kristallisierte sich ein zentrales Thema heraus: der Verlust der Glaubwürdigkeit des Beitrittsprozesses. Wenn Reformen keine sichtbaren Fortschritte bringen, schwächt sich das Vertrauen der Gesellschaft ab, politische Anreize nehmen ab und alternative Narrative gewinnen an Boden. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Wiederherstellung des Vertrauens klare Belohnungen für echte Reformen, ein stärkeres politisches Engagement der EU und eine anhaltende Aufmerksamkeit für die gesellschaftlichen und identitätsbezogenen Dimensionen der Integration erfordert, nicht nur für ihre technischen Aspekte.
Abschließend waren sich die Redner einig, dass die Zukunft der EU-Erweiterung von einem erneuten strategischen Engagement beider Seiten abhängt. Die Regierungen der Westbalkanstaaten müssen trotz innerstaatlicher Zwänge substanzielle Reformen vorantreiben, während die EU ihre Instrumente modernisieren, ihre politische Unterstützung verstärken und sicherstellen muss, dass die Region nicht durch interne Fragmentierung oder externen geopolitischen Wettbewerb gefährdet wird.
Zu den Sprecher*innen gehörten:
- Zoran Nechev, Policy and Advocacy Fellow, Think Europe; Senior Researcher, Institute for European Politics
- Ivan Nikolovski, PhD Researcher, Central European University
- Alba Brojka, Executive Director, UN Association Albania
- Adnan Cerimagić, Senior Analyst, European Stability Initiative
Weitere Events zum Thema
European Security and Global Challenges
13.03.2025 / AIES-Direktor Michael Zinkanell gab einen Workshop für Studierende des CET Prague Global Security Studies Programms
The AIES at the 3rd EU Accession Forum
30.09.2024 / AIES Direktor Michael Zinkanell in Kyjiw
