Hybride Bedrohungen im Weltraum
Ein Workshop mit Erfahrungen aus Deutschland, Österreich und Finnland
06.05.26 / Wien / Europäische Sicherheit und Verteidigung
Am 6. Mai 2026 veranstaltete das AIES einen Expertenworkshop mit dem Titel „Hybride Bedrohungen im Weltraum“, bei dem Fachleute aus Deutschland, Österreich und Finnland die wachsenden Sicherheitsherausforderungen durch hybride Kriegsführung im Weltraum diskutierten.
Im Rahmen der Diskussion hielten Vorträge Ralph Thiele, Vorsitzender der Politisch-Militärischen Gesellschaft e.V.; Marc Becker, Referent für Weltraumsicherheit im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg); Onerva Aalto, Sergeant bei den Finnischen Verteidigungskräften; R. Toni Pfaffenbauer, Referent für Weltraum und neue Technologien im Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV); sowie Lina Pohl, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei DLR/Europäisches Institut für Weltraumpolitik (ESPI). Moderiert wurde die Veranstaltung von Christoph Schwarz, Senior Research Fellow beim AIES.
Die Referent:innen waren sich einig, dass der Weltraum zu einem kritischen Bereich für hybride Kriegsführung geworden ist. Hierbei nutzen staatliche und nichtstaatliche Akteure die Abhängigkeiten von satellitengestützten Diensten aus. GPS-Navigation, Finanzsysteme und Notfallkommunikation sind besonders anfällig für Cyberangriffe, Störmaßnahmen, Spoofing, Desinformation und Sabotage jenseits der Schwelle eines bewaffneten Konflikts. Als Hauptakteure wurden Russland und China identifiziert. Zugleich wurde betont, dass immer mehr Staaten vergleichbare Fähigkeiten entwickeln.
Ein zentrales Thema war die Verwundbarkeit ziviler Infrastrukturen. Die Referent:innen betonten, dass Angriffe auf Weltraumsysteme selten isoliert bleiben. Diese können weitreichende Kettenreaktionen auslösen mit Auswirkungen auf Bereiche wie Luftfahrt, Energieversorgung, Finanzsysteme oder den Katastrophenschutz. Besonders hervorgehoben wurde die starke Abhängigkeit von weltraumgestützten Diensten, die zunehmend auch in Österreich als strategisches Risiko wahrgenommen wird. Dabei wurde deutlich gemacht, dass feindliche Akteure diese Abhängigkeiten gezielt ausnutzen und der Aufbau von Resilienz somit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden muss.
Finnland und Deutschland wurden als zwei unterschiedliche Modelle vorgestellt. Während Finnland mit seinem gesamtgesellschaftlichen Resilienzansatz, bestehend aus Wehrpflicht und etablierten Zivilschutzstrukturen, als besonders widerstandsfähig beschrieben wurde, wurde die institutionelle Landschaft in weiten Teilen der EU im Vergleich dazu als eher fragmentiert dargestellt. Aus deutscher Perspektive lag der Fokus auf den geplanten Investitionen in militärische Weltraumkapazitäten bis 2030. Vorgesehen sind unter anderem der Aufbau einer eigenen Weltraumkommandostruktur sowie die Entwicklung einer Nationalen Weltraumsicherheitsstrategie. Diese soll auf aktuellen Bedrohungsanalysen basieren und insbesondere Erkenntnisse aus dem Krieg in der Ukraine berücksichtigen.
Zum Abschluss des Panels wurde betont, dass hybride Bedrohungen im Weltraum nur durch einen mehrschichtigen Ansatz wirksam eingedämmt werden können. Dazu zählen ein verbessertes Lagebild im Weltraum, robustere Cybersicherheitsstrukturen für kommerzielle Satelliten mit militärischer Nutzung, ein stärkeres öffentliches und politisches Bewusstsein sowie ein kohärenter europäischer Ansatz, der Weltraumsicherheit eng mit der allgemeinen Politik zu hybriden Bedrohungen verknüpft. Außerdem wurde hervorgehoben, dass Europa über eine rein defensive Haltung hinausgehen sollte, indem glaubwürdige Abschreckungsfähigkeiten entwickelt werden.
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