Neue strategische Perspektiven für den Nahen Osten
Eine Diskussion mit Nahostexpertin Gudrun Harrer und AIES Präsident Werner Fasslabend
10.09.25 / Wien / Globale Dynamiken / Europäische Sicherheit und Verteidigung
Am 10. September veranstaltete das Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik (AIES) eine Podiumsdiskussion zum Thema „Neue strategische Perspektiven für den Nahen Osten“. An der Diskussion nahmen Mag. Dr. Gudrun Harrer (Nahostexpertin und leitende Redakteurin, DER STANDARD) sowie Dr. Werner Fasslabend (Präsident des AIES) teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Michael Zinkanell (Direktor des AIES).
Im Mittelpunkt standen die tiefgreifenden Umbrüche der letzten Jahre, geprägt vom Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, dem Machtwechsel durch HTS in Syrien im Dezember 2024 und dem 12-Tage-Krieg zwischen Israel und Iran im Juni 2025. Diese Entwicklungen verdeutlichen die zunehmende Instabilität in der Region, die diplomatische Prozesse erschwert und geopolitische Rivalitäten verschärft.
Die Diskussion zeigte auf, dass Israel einen strategischen Paradigmenwechsel vollzogen hat: weg von einer defensiven Sicherheitsdoktrin hin zu einer Politik regionaler Dominanz. Dies spiegelt sich sowohl in territorialen Konsolidierungen als auch in direkten Konfrontationen mit Iran und Hisbollah wider. Zugleich gerät der regionale Friedensprozess unter Druck – Katars Rolle als zentraler Vermittler ist geschwächt, alternative Kanäle wie Oman stehen in Frage und die Abraham-Abkommen sowie die Einbindung Saudi-Arabiens stagnieren.
Harrer und Fasslabend betonten auch die Folgen für Europa: Die fortgesetzte Eskalation im Nahen Osten verstärkt humanitäre Krisen, destabilisiert traditionelle Vermittlungsmechanismen und erhöht den politischen Druck auf die Europäische Union. Europas Handlungsspielraum bleibt dabei begrenzt. Einig waren sich die Diskutierenden, dass die europäische Glaubwürdigkeit im Globalen Süden von einer klareren Haltung abhängt.
Weitere Events zum Thema
Die Zukunft des Nahen Ostens
02.04.2025 / Eine Diskussion mit S.E. Botschafter Mohamed El-Orabi
