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Was wäre, wenn die USA Grönland bekämen?

Überlegungen zur NATO, zur europäischen Sicherheit, zum Völkerrecht und zur Zukunft der Arktis

22.05.26 / Wien / Globale Dynamiken / Europäische Sicherheit und Verteidigung


Am 22. Mai 2026 veranstaltete das AIES gemeinsam mit dem Vienna Institute for Global Studies (VIGS) und der Diplomatischen Akademie Wien eine öffentliche Veranstaltung mit dem Titel „What if the U.S. got Greenland? Reflections on NATO, European Security, International Law and the Arctic Future“.

Nach Begrüßungsworten von Martin Eichtinger, Direktor der Diplomatischen Akademie Wien, und Eröffnungsbemerkungen von Zoltan Acs, Direktor des Vienna Institute for Global Studies, hielt Kenneth R. Rosen, unabhängiger Journalist, Kriegsberichterstatter und Autor von Polar War: Submarines, Spies, and the Struggle for Power in a Melting Arctic, eine Keynote. An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Kathrine Bødker, Mitglied des Executive Council des Inuit Circumpolar Council in Grönland; Lassi Heininen, Professor em. und Experte für Arktispolitik aus Finnland; Jens Wendel-Hansen, Senior Researcher und Historiker aus Dänemark; sowie Michael Zinkanell, Direktor des AIES und Moderator der Veranstaltung, teil.

Die Diskussion verdeutlichte, dass die Arktis zunehmend zu einem zentralen geopolitischen Wettbewerbsraum wird. Klimawandel, schmelzende Eisflächen, neue Handelsrouten sowie der Zugang zu kritischen Rohstoffen und Energieressourcen verändern die strategische Bedeutung der Region grundlegend. Vor diesem Hintergrund rückte Grönland in den vergangenen Monaten verstärkt in den Fokus internationaler Aufmerksamkeit. Wiederholte Aussagen von US-Präsident Donald Trump über eine mögliche Übernahme Grönlands führten zu erheblichen Spannungen und lösten Debatten über territoriale Souveränität, Bündnissolidarität und die Stabilität der transatlantischen Beziehungen aus.

Ein zentrales Thema der Diskussion war die Frage nach Souveränität und Selbstbestimmung. Die Panelist betonten insbesondere aus grönländischer Perspektive, dass Grönland nicht lediglich als geostrategischer Raum oder Ressourcengebiet betrachtet werden dürfe, sondern als Heimat einer Bevölkerung mit eigener Geschichte, Identität und politischen Rechten. Zugleich wurde hervorgehoben, dass territoriale Integrität und staatliche Souveränität grundlegende Pfeiler der internationalen Ordnung darstellen. Eine mögliche Infragestellung dieser Prinzipien könnte weitreichende Folgen für kleinere Staaten, multilaterale Institutionen und die europäische Sicherheitsordnung haben.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle der NATO und den transatlantischen Beziehungen. Die Diskussion machte deutlich, dass die Debatte um Grönland nicht nur Fragen territorialer Sicherheit aufwirft, sondern auch grundlegende Spannungen innerhalb westlicher Bündnisstrukturen sichtbar macht. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die Entwicklungen in der Arktis eine verstärkte europäische Debatte über strategische Handlungsfähigkeit, Resilienz und zukünftige Sicherheitsarchitekturen auslösen könnten.

Zum Abschluss betonten die Teilnehmer die Bedeutung multilateraler Zusammenarbeit und bestehender Kooperationsformate im Arktisraum. Institutionen wie der Arktische Rat wurden als wichtige Plattformen hervorgehoben, um Dialog, Vertrauensbildung und Stabilität zu fördern. Die Sprecher waren sich einig, dass langfristige Stabilität in der Region nur durch Kooperation, gegenseitigen Respekt und die Einhaltung internationaler Regeln gewährleistet werden könne.


© Yana Poeschl


© Yana Poeschl



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