Realitätscheck für Europas Verteidigung: Wer, was, wie, wann?
Diskussion mit Robert Brieger und Ronald Vartok
09.06.26 / Wien / Europäische Sicherheit und Verteidigung
Am 9. Juni 2026 veranstalteten das AIES und die Diplomatische Akademie Wien eine öffentliche Abendveranstaltung mit dem Titel „Realitätscheck für Europas Verteidigung: Wer, was, wie, wann?"
Die Begrüßung übernahm Mag. Martina Schubert, stellvertretende Direktorin der Diplomatischen Akademie Wien, und AIES Direktor Michael Zinkanell-Süss. Als Redner nahmen General Mag. Robert Brieger, ehemaliger Vorsitzender des EU-Militärausschusses und früherer Generalstabchef des österreichischen Bundesheeres, sowie Generalmajor Mag. Ronald Vartok, Leiter der Direktion Verteidigungspolitik und internationale Beziehungen im Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV), teil. Letzterer vertrat den ursprünglich angekündigten Generalsekretär Dr. Arnold Kammel, der kurzfristig verhindert war. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Werner Fasslabend, Präsident des AIES.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wo Europa in der Entwicklung einer eigenständigen Verteidigungsfähigkeit tatsächlich steht. Vor dem Hintergrund des nunmehr über vier Jahre andauernden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, des wachsenden Drucks durch die Trump-Administration und einer zunehmend multipolaren Weltordnung wurde deutlich, dass das Warum einer verstärkten europäischen Verteidigung nicht mehr ernsthaft bestritten wird. Die Debatte dreht sich heute um das Wie und Wann der Umsetzung.
Diskutiert wurden die strukturellen Herausforderungen der europäischen Verteidigung: die Fragmentierung der Rüstungsmärkte, das Einstimmigkeitsprinzip als Hemmnis für schnelle Entscheidungen sowie die Notwendigkeit, ein eigenständiges europäisches Kommando aufzubauen. Positiv bewertet wurde die wachsende Bereitschaft aller EU-Mitgliedstaaten, mehr in Verteidigung zu investieren, sowie die auf Basis qualifizierter Mehrheit gefassten EU-Verordnungen zur Rüstungskooperation. Zugleich wurde betont, dass Russland trotz hoher Verluste seine militärischen Kapazitäten weiter ausbaut und eine Ausweitung des Konflikts auf andere europäische Staaten nicht ausgeschlossen werden kann.
